Spirituelle Lebensberatung mit Daura und Team
Die Geschichte des Orakels von Delphi


Delphi

Delphi liegt in der Provinz Phokis in Zentralgriechenland und war der politische und religiöse Mittelpunkt der griechischen Antike. Die Geschichte des mystischen Ortes reicht bis weit in das zweite Jahrtausend v. Chr. zurück und der Name Delphi geht auf das griechische Wort „Gebärmutter“ zurück, was wiederum auf die Verehrung der Erdgöttin Gaia verweist.


Rundtempel der Athene

Der Sage nach saß die Erdgöttin auf einem Dreifuß über einer Erdspalte, aus der schwefelhaltige Gase strömten, und beantwortete Fragen, die an das Orakel gestellt wurden. Sie sagte also im weitesten Sinne die Zukunft voraus. Späterhin wurde diese Aufgabe von Orakel-Priesterinnen übernommen.

Gott Apollon selbst musste der Überlieferung nach eine Prüfung ablegen. In einer Höhle nahe dem Heiligtum hauste ein weiblicher Lindwurm: der von Gaia geborene Drache „Pythia“. Apollon erschlug das Ungeheuer und feierte gleichzeitig damit einen Triumph über Gaia. Als letztes Vermächtnis der Urgottheit durften in der Antike nur noch Frauen zu Orakel-Priesterinnen in Delphi geweiht werden. Sie trugen den Amtstitel „Pythia“. Während ihrer Amtszeit schritt die Pythia frühmorgens zur heiligen Quelle Kastalia, um durch ein rituelles Bad jeden Tag aufs Neue ihre jungfräuliche Reinheit zu erneuern, denn die Priesterin von Delphi musste keusch bleiben. Erst nach Jahren der Enthaltsamkeit durfte sie im reiferen Alter als Medium dienen.


Delphi - Teil des Apollon-Tempel

Die Pythia, die Priesterin und Seherin von Delphi, auch auf einem Dreifuß sitzend, die Gase, die der Erdspalte entströmten, einatmend und Lorbeerblätter kauend, stieß in einem Zustand von Trance und Ekstase überwiegend gestammelte Laute aus, die jeweils von den anwesenden Priestern auf Steintafeln geschrieben, „übersetzt“ und gedeutet wurden. In welchem Bewusstseinszustand die Seherin ihre Sprüche formulierte, war lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis. Ihr unverständliches Stammeln hatte nach neuesten Erkenntnissen eine natürliche Ursache, denn das Gas, das an dieser Stelle aus der Erde austrat, heißt Ethylen. Es ist nur wenig giftg, wirkt aber in höheren Konzentrationen in Verbindung mit Sauerstoff narkotisierend. Forscher sind davon überzeugt, dass die geologischen Bedingungen vor Ort für das Orakel bewusst genutzt wurden. Griechische Schriftsteller und Geschichtsschreiber der Antike wiesen bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. darauf hin.


Delphi - Das Theater

Der Weissagungsort befand sich in den unteren Gewölben im Heiligtum des Apollon. Durch die meist mehrdeutigen Orakelsprüche wurde Delphi berühmt. Das Orakel war im antiken Griechenland von sehr hoher Bedeutung, man nahm damit Einfluss auf die Politik und an manchen Orakelsprüchen zerbrachen sogar Königreiche. Der Apollon machte Delphi zur bedeutendsten Orakelstätte der antiken Welt, zum Anziehungspunkt für Tausende von Pilgern. Man verkündete den Pilgern, dass Gott Apollon selbst durch seine Priesterin, der Pythia, sprach. Ihre Orakelsprüche entschieden über Krieg und Frieden, über Leben und Tod. Die Vorhersagen der Pythia waren immer zwei-, meistens aber mehrdeutig, so dass eine Aussage immer mit dem tatsächlich Geschehenen übereinstimmte.

Um seine herausragende Stellung zu festigen, veranstaltete der Ort Delphi sogar seine eigenen Sportwettkämpfe - die pythischen Spiele. Den Siegern prophezeite man unsterblichen Ruhm, den sie durch ihre Statuen im Tempelbezirk ja auch tatsächlich erhielten.


Daura, am Mittelpunkt der Erde,
dem Nabel der Welt, in Delphi

Doch die Dienste, die mit der Befragung des Orakels verbunden waren, gab es nicht umsonst. Sie bescherten dem Heiligtum eine Fülle von Gold und Macht. Somit war es auch ein einträgliches Geschäft und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Institution. Einige Schatzhäuser waren notwendig, um Geschenke und Entgelte zu lagern. Delphi wurde dadurch ein Schatzhaus der Geschichte Griechenlands und ein sagenumwobener Ort mit mystischer Ausstrahlung, die noch heute zu spüren ist.


Der Omphalos im Museum von Delphi

Die Griechen im Altertum hielten Delphi für den Nabel der Welt. Ein großer kegelförmiger Stein am Eingang zu den Ausgrabungen in Delphi, der Omphalos, galt über viele Jahrhunderte als Mittelpunkt der Erde. Der Sage nach ließ Göttervater Zeus an den Enden der Erde zwei Adler mit einem großen Stein aufsteigen, um den Mittelpunkt der Erde zu finden. Ihre Bahnen kreuzten sich über Delphi und der abgeworfene "Omphalos" markierte von nun an den Mittelpunkt der Erde. (s. Foto – eine Nachbildung, das Original liegt im Museum von Delphi) Er war der Erdmutter Gaia und anderen unterweltlichen Gottheiten gewidmet. Direkt daneben befindet sich die Tempelanlage des Apollon.


Delphi - Schatzhaus der Athener

Eine Besonderheit gab es in Delphi: der Apollon blieb im Winter geschlossen, denn Dionysos, der Gott des Weines, übernahm in der kalten Jahreszeit für vier Monate das Heiligtum.

Delphis mächtige Position in der Antike ist sicher auch auf die zentrale Lage der Kultstätte zurückzuführen. Der Ort war von allen Seiten gut erreichbar: vom Peloponnes über den Isthmus, von Korinth nördlich über das griechische Festland und von den Küstenstädten auf dem Seeweg.

Um 362 nach Christus kam der Legende nach ein letzter Bote nach Delphi, um das Orakel zu befragen – er war ein Abgesandter des römischen Kaisers Julian.

Erst im Jahre 394 n. Chr., als Kaiser Theodosius alle heidnischen Kulte verbot, kam auch das Ende für das Orakel von Delphi. Der Ort geriet für mehr als eineinhalb Jahrtausende in Vergessenheit.

Im Jahre 1892 begannen französische Archäologen die Häuser eines Bauerndorfes abreißen, unten denen die Ruinen Delphis lagen. Es wurden bedeutende Reste des Apollon-Heiligtums freigelegt, u.a. Schatzhäuser, Tempel und zahlreiche Einzelplastiken, die heute zum größten Teil im Museum in Delphi besichtigt werden können.

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Text und Fotos: Ilse Krüger